Eigene Notizen und Web Recherche mit DeepaMehta 4

In dieser kleinen Früstückspause wollte ich euch einfach mal einen Einblick in mein sog. “persönliches Informations-Management” geben, eventuell findet ihr dies ja hilfreich um diese freie Software DM 4 selbst einzusetzen.

Angefangen damit akribische Notizen digital zu machen habe ich zuletzt aus der Motivation heraus vielleicht doch mal eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben. Für meine Recherche und das lose Schreiben nutze ich momentan noch DeepaMehta 4.

Wenn ich DM 4 benutze dann sitze ich natürlich meist vorm Bildschirm, sehe, gucke aber gewinne keinerlei Information die ich nicht selbst vorher dort eingetragen habe. Auf den allerersten Blick also, da sieht man erstmal gar nichts bei DM 4. Na ja, fast nichts. Was auf den ersten Blick schon sichtbar ist, ist eine Oberfläche um alle nur denkbaren Informationen in diversen Kontexten (“Workspaces”) zu erstellen (“Create”), zu bearbeiten (“Edit”) und in persönlichen Ansichten (“Topicmaps”) räumlich-visuell (und unabhängig von den Infos selbst) zu organisieren (“abzulegen”).

Dass da anfänglich noch keine Information vorhanden ist, ist schon erstmal etwas gewöhnungsbedürftig, stellt es einem doch (unter Umständen) die nicht triviale Frage nachdem was es eigentlich ist, was einen gerade so interessiert und was man gerne festhalten, in eine persönliche Datenbank eingeben möchte. Mit dem anzufangen was einen gerade so interessiert, bzw. wie man das bezeichnen würde was einen gerade so beschäftigt, ist in jedem Fall ein Anfang um herauszufinden wofür der Gedanke steht, dem man da gerade einen Namen gegeben hat.

Notizen und Web Resourcen

Für meine eigenen Gedanken, bzw. solche die ich unter einem gewissen Namen für mich noch entwickeln möchte, nehme ich immer die gelben Punkte (“Note”) und da ich oft etwas im Web suchen muss, lese ich dann einen vermeintlichen Überblicksartikel zu dem oft englischen (und/oder deutschen) Begriff auf der Wikipedia und merke mit dessen Web-Adresse mit der Erstellung einer blauen Weltkugel (“Web Resource”). In das “Description”-Field ebendieser Web Resource kopiere ich dann (über die Zwischenablage) solche Passagen des Webseiten-Inhalts die mir gerade wichtig erscheinen. Schön ist bei diesem Verfahren, die HTML-Struktur des Inhalts bleibt dabei weitestgehend funktional (i.S.v. sichtbaren Abbildungen und navigierbaren Hyperlinks).

Haben die Webseite und mein Gedanke dann noch etwas gemeinsam dann assoziiere ich einfach meinen eigenen Begriff mit der Web Resource. So trenne ich meine eigenen Notizen und Gedanken erst einmal strikt von denen Dritter. Durch die lose Assoziation kann ich später, beim erneuten aufdecken meiner Notizen, evtl. Einflüsse auf meine Formulierungen direkt wiederfinden. Diese, nun ja, lose aber auch recht strukturierte Vorgehensweise hat wie ich finde ein Gutes, so habe ich die Aussagen Anderer und meine eigenen schon einmal getrennt.

Notiz von einer Person nehmen

Gerade habe ich wieder angefangen zu studieren, also nicht offiziell, aber in-offiziell mach ich das manchmal bei meiner neuen Arbeitsstelle. In meinem neuen Job habe ich über meine Kolleg*Innen gerade Erstkontakt mit einigen mir bisher nahezu unbekannten geisteswissenschaftlichen Disziplinen, ihren Methoden, Theorien und einigen ihrer einflußreichsten Vertreter*Innen. Wenn ich dann beim lesen, suchen und herausschreiben einem, auf den ersten Blick, einflußreichen oder für mich bisher nicht einordbaren Namen begegne, trage ich diesen Namen der Vollständigkeit halber auch kurz noch als “Person” (ohne Weiteres) in meine Datenbank ein und assoziiere diese Person oft zweifach, einmal mit den Web Resourcen auf denen die Namen erstmals für mich Erwähnung fanden und das zweite mal mit meinen Notizen die etwas mit dieser Person gemeinsam haben. Dabei nehme ich dann jetzt wirklich nicht jeden Namen auf, aber nach knapp sechs Monaten abendlicher Recherche habe ich doch schon Sechzig verzeichnet.

Ideengeschichte und unsere modernen Werkzeuge zum Studium

Wenn ich versuche mich in neue Begrifflichkeiten einzuarbeiten bediene ich mir oft eines einfachen “drei-dimensionales” Hilfskonstrukts. Ich frage mich dabei was einerseits alles in dem Begriff an sich steckt, (ethymologische Betrachtung, heißt das wohl), dann versuche ich die verschiedenen Geschichten zu finden in welchen der gefragte Begriff in der Vergangenheit von wem (Personen) benutzt oder geprägt wurde. Ideengeschichtlich (i.S.v. Historie einer Idee/eines Begriffs) würde ich jetzt diesen zweiten Erkundungs-/Recherche-Ansatz nennen. Ist das so korrekt, kann man das so stehen lassen? Der dritte ist eine eher “taxonomische” Betrachtung. Also was ich mich oft direkt Frage (bzw. intuitiv geschieht) ist, wenn ich von jemandem etwas höre oder lese, frage ich mich wie abstrakt ist das Gesagte, also war das jetzt richtig abstrakt, also ganz weit oben, in Generalität und Abstraktionshöhe überhaupt noch zu übertreffen? Falls ja, frage ich mich dazu auch oft gleich noch steckt da vielleicht ein spezielles Verständnis hinter und wenn ja welches denn dann. Das bietet dann natürlich gutes Futter für weiterführende Überlegungen.

Mit diesen drei Fragestellungen allein habe ich bei jedem neuen Begriff gleich eine Menge an Komplexität und Recherchearbeit an der Backe aber egal wie alt und wie schnell jemand man sich fühlt, ich glaube das wir ja eh meist eh nur einen klitzekleinen Schritt (“one shot at a time”) voranschreiten können und es eigentlich keinen Grund zu glauben gibt das jemand Anderes schneller oder weiter oder irgendetwas gar unerreichbar sein mag, vor allem nicht in der Entwicklung, Bearbeitung oder Ausarbeitung von Gedanken. Wie weit jemand bereits ist, hängt also eher davon abhängt wie lange man sich schon für die Welt da draußen einsetzt, intensiv bearbeitet und vor allem aber auch, wie konsequent und konzentriert diese oder jene Person es aufgrund ihrer Lebensumstände für etwas länger durchziehen kann, so eine Art Selbststudium. Im Grunde machen wir das ja immr und es bleibt die Frage, warum ich gewissen Ideen und Formulierungen so peinlichst genau festhalten möchte in meinem PC.

Zumindest aber stehen jede*m mit einem PC, einer Internetverbindung, Englischkentnissen und etwas Zeit ja heutzutage so schöne Tools zur Verfügung. Bei meinem Vorgehen hilft mir vor allem die freie Enzyklopädie, der offene Thesaurus, eine Google oder DuckDuckGo Suche natürlich, in Spezialfällen und vor allem wenn ich faul bin konsultiere ich gerne auch mal Wolfram Alpha, sowie dann oft auch das mehrsprachige Wörterbuch dict.cc um manchmal auch auf recht substantielle Unterschiede zwischen englischen Begriffen, meiner eigenen, bisherigen Übersetzung für diese und diversen anderen Übersetzung zu erkennen. Es gibt sicher noch einige weitere nützlicher Dinge im Web und ich freue mich immer wenn ihr dieses oder jenees mit mir teilen mögt und mich darüber in Kenntniss setzt wie ich zu diesen gelangen kann :)

Warum ich nun aber so viel Wert darauf lege davon meine “eigenen” Ideen und die Anderer getrennt zu halten. Einerseits steckt dahinter eine Würdgung der Kunst und ein versteckter Anspruch Ideen besser (ihrem Sinne nach) zu formulieren, anders zu erklären und auszusprechen als auf dem Wege über welchen ich von ihnen zum ersten Mal gehört habe. Andererseits steckt dahinter aber auch diese, sich auf den ersten Blick etwas brachial lesenden Aussage, von Heinrich Heine über die Kraft der Ideen welche ich durch das morgentliche herumstreunern durch mein dreckig-geliebtes Berlin eines Tages entdecken durfte:

 

Abbildung: Wir ergreifen keine Idee sondern die Idee ergreift uns und Knechtet uns und peitscht uns in die Arena hinein dass Wir wie gezwungene Gladiatoren für sie kämpfen - Heinrich Heine
Auf dieser Statue steht: “Wir ergreifen keine Idee sondern die Idee ergreift uns und Knechtet uns und peitscht uns in die Arena hinein dass Wir wie gezwungene Gladiatoren für sie kämpfen” – Heinrich Heine

Wunschlos glücklich?

Was aus meiner Sicht in der Standard-Benutzeroberfläche von DM4 die hier beschriebenen Tätigkeiten erleichtern würde, wäre aus meiner Sicht aktuell:

  1. Erweiterte und informativere Darstellung von Ergebnissen nach Benutzung der “Search”-Funktion (speziell Anzeigen des Satzes/Kontexts eines Treffers, Anzahl der Treffer innerhalb eines Ergebnisses)
  2. Suchen (Volltext und Typ-Suchen) in mehreren Vorgängen hintereinander verfeinern oder wieder ausweiten können, z.B.: das filtern einer Ergebnismenge in welcher die Ergebnisse zwei und nicht nur eine bestimmte Assoziation gemeinsam haben
  3. Leichtgängigere Möglichkeit die Größe des Detail-Panels auf der rechten Seite anzupassen, gerade bei Arbeiten an längeren Texten möchte man einfach die Breite zwischen Topics anpassen können
  4. Archivierungs- oder Snapshotfunktion zum Download von “Web Resourcen” wären natürlich aus Sicht der Nachvollziehbarkeit, insbesondere für Nutzer*Innen geförderten Forschungsvorhaben wichtig

Vielleicht verbessern sich diese vier Punkte durch dieses Feedback ja irgendwann in der Standard Distribution von DeepaMehta 4, jedenfalls wollte ich euch meine Notizen dazu einfach mal mitteilen. Ansonsten, vielen Dank für diese Software. Wie ich in “Users building apps” schon einmal angefangen habe zu erklären, mit DM4 werden wir als Nutzer*Innen ermuntert auch eigene Strukturen (andere als “Notiz” und “Web Resource”) zu entwickeln und diese dann untereinander zu teilen.

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